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Percnon gibbesi Felsenkrabbe, Algenfressende Krabbe

Percnon gibbesi wird umgangssprachlich oft als Felsenkrabbe, Algenfressende Krabbe bezeichnet. Die Haltung gilt als mittelschwer. Es wird ein Aquarium von mindestens 50 Liter empfohlen. Giftigkeit: Nicht giftig.



Steckbrief

lexID:
815 
Wissenschaftlich:
Percnon gibbesi 
Umgangssprachlich:
Felsenkrabbe, Algenfressende Krabbe 
Englisch:
Nimble spray crab 
Kategorie:
Krabben 
Stammbaum:
Animalia (Reich) > Arthropoda (Stamm) > Malacostraca (Klasse) > Decapoda (Ordnung) > Percnidae (Familie) > Percnon (Gattung) > gibbesi (Art) 
Erstbestimmung:
H. Milne Edwards, 1853 
Vorkommen:
Ascencion, St. Helena & Tristan da Cunha, Azoren, Bahamas, Florida, Golf von Mexiko, Kanarische Inseln, Kapverdische Inseln, Karibik, Mittelmeer, Ost-Atlantik, Ost-Pazifik, Spanien, Süd-Atlantik, Trinidad und Tobago, West-Atlantik  
Meerestiefe:
1 - 3 Meter 
Größe:
5 cm - 6 cm 
Temperatur:
23°C - 25°C 
Futter:
Aas, Algen, Detritus, Debris (totes organisches Material), Flockenfutter, Frostfutter (große Sorten), Futtertabletten, Muschelfleisch, Würmer (Polychaeten + Annelida) 
Aquarium:
~ 50 Liter 
Schwierigkeitsgrad:
mittel 
Nachzucht:
Nicht als Nachzucht erhältlich 
Giftigkeit:
Nicht giftig 
CITES:
Nicht ausgewertet 
Rote Liste:
NE nicht beurteilt 
Verwandte Arten im
Catalogue of Life:
 
Author:
Publisher:
Meerwasser-Lexikon.de
Erstellt:
Zuletzt bearbeitet:
2018-06-13 15:00:36 

Haltungsinformationen

(H. Milne Edwards, 1853)

vom (2014-01-06): Zur BIOLOGIE der Tiere: aus wissenschaftlichen Papieren lassen sich folgende Beobachtungen ziehen: Leben in Felsspalten am oberen Rand des Sublittorals, ziehen sich äußerst schnell in ihre Verstecke zurück, daher sehr schwer zu fangen. Leben intertidal, in Tiefen von 0-10m. Bis zu 3 cm Carapaxbreite. Rein herbivor, algenfressend.

Beobachtungen aus der Aquaristik bestätigen die Schnelligkeit dieser Tiere, sie nehmen hier auch gerne jegliches Futter sowie Aas an, aktive Jäger sind sie nicht.

P. gibbesi gilt als invasivste Krabbe im Mittelmeer. Wo sie auftauchte, konnte sie rasend schnell Populationen etablieren, sowohl in menschlich beeinflussten Standorten wie Hafenbecken als auch in der Natur, heißt es in Studien.

Zur TAXONOMIE der Tiere:
Nach Hinweis von Sebastian (AZB), wonach diese braun-beige gebänderte Percnon seit sechs Jahren aus der Karibik geliefert bekommen, hingegen die Variante/Art mit den gelb/grünen Füßen aus dem pazifischem Raum, haben wir uns erneut mit der Zuordnung der Arten in der Gattung Percnon beschäftigt. P. guinotae ist mit knallroten Augen und lila Scheren recht klar zu identifizieren, ob P. affine und P. abbreviatum importiert wurden und im Handel auftauchten, ist unbekannt. Sollte sich also jemand wundern, dass die Zuordnung getauscht wurde, ist das hier die Erklärung.

Die Einteilung ist schwierig, denn die Wissenschaft ist sich überhaupt nicht einig, ob P. gibbesi und P. planissimum tatsächlich zwei Arten sind. Von daher gibt es auch kaum/keine morphologischen Unterschiede – Färbungen sind meistens in Artbeschreibungen gar nicht dokumentiert.

"The crabs at present assigned to the closely related species P. gibbesi and P. planissimum are distributed world-wide in tropical-temperate waters. P. planissimum was described by Herbst in 1804 on a specimen from the East Indies (the type was recently figured by Sakai, 1999). P. gibbesi was described by Milne Edwards on Antillean material, which, in respect of Indo-Pacific specimens, presents only small differences regarding the morphology of the chelae. American authors (Rathbun 1918 a and b; Garth, 1965; Manning and Holthuis, 1981, Williams, 1984) mantain the distinction of the two species, while several European researchers have considered P. gibbesi a junior synonym of P. planissimum (Nobre 1931; Zariquiey Alvarez, 1968; Forest and Guinot, 1966; Saldanha, 1995). Crosnier (1965) considered P. gibbesi “extremement proche de P. planissimum”, noting that carapace, abdomen and male pleopods are identical. Given that the two forms, if not species, can be separated, their detailed morphological characteristics assume the significance of an indication of the eastern or western origin of the alien crab."
Marco Relini, Lidia Orsi, Valentina Puccio and Ernesto Azzurro (2000): The exotic crab Percnon gibbesi (H. Milne Edwards, 1853) (Decapoda, Grapsidae) in the Central Mediterranean. Scientia Marina 64 (3): 337-340.

P. gibbesi und P. planissimum unterscheiden sich tatsächlich leicht, in der Ausdehnung behaarter Zonen auf den Scherenarmen:
"… Carapace disk-like, slightly oval, flattened, pubescent except several symmetrical small raised areas which are naked (this characteristic is common to both species P. gibbesi and P. planissimum and separates them from a group of Indopacific species of the same genus, P. affine, P. abbrevia- tum and P. guinotae, which, according Crosnier (1965), seem distinguished by a more extended set of morphological characteristics in respect of the first pair.
… Chelipedes unequal, the left larger especially in the palm. Both palms bear a small pilose inner zone and an adjacent short pilose groove: the lat- ter in the larger chela is contained about 4 times in the palm length (measured on a straight line); in the smaller chela it is contained 6 times in the palm length (the groove length, from a fourth to a half the upper margin of the palm versus unconspicuous to scarcely a sixth of the length of the upper margin of the palm, is the main character to distinguish P. gibbesi from P. planissimum according to Schmitt, 1939). A single spine rises in the middle of these adjacent pilose areas."
ebenfalls M. RELINI et al. (2000): The exotic crab Percnon gibbesi in Central Mediterranean. Scientia Marina 64 (3): 337-340

Dokumentiert sind die verschiedenen Verbreitungen der beiden Arten. P. gibbesi etwa aus Pazifik und Atlantik entlang von Kalifornien bis Chile beziehungsweise Florida bis Brasilien sowie Afrika vom Golf von Guinea bis zu den Azoren und als Invasor über die Straße von Gibraltar im mittlerweile fast ganzen Mittelmeer. Tiere auf flachen Felsen wiesen mitunter Färbungen aposematischer Mimese auf (das Nachahmen von Arten mit Warnfarben).
P. planissimum ist dokumentiert aus Japan, den ganzen Südseeinseln im Pazifik, Hawaii, dem Indischen Ozean bis vor Madaskar sowie Surinam (Atlantik!). Letzteres (Surinam) dürfte wohl eine Fehlidentifizierung sein, denn sie widerspricht allen anderen Angaben.

Abbildungen, auch wissenschaftliche, zeigen beide Arten in beiden Färbungen. Wir gehen jedoch aufgrund der Erfahrungen bei den Importen und einigen Quellen davon aus, dass es sich bei Tieren mit den gebänderten Beinen um P. gibbesi handelt und bei den gelben Längstreifen an den Engliedern der Laufbeine um P. planissimum. Das ist das einzige unterscheidungsmerkmal, dass ohne eingehende morphologische Untersuchung auch für Laien erkennbar ist. Hilfreich ist natürlich ein Herkunftsort.

Die erwähnte Beschreibung bei Schmitt findet sich hier: Waldo Schmitt (1939): Decapod and other Crustacea collected on the Presidential Cruise of 1938. Smithsonian Miscellanous Collections Volume 98 Number 6: 29pp. Ein Schlüssel zu den Arten der Gattung (Key to the species of Percnon) findet sich hier: http://www.biodiversitylibrary.org/page/8824267#page/200/mode/2up


Aquarienhaltung:
Michael Mrutzek: Algenfressende Krabbe, die superfriedlich zu sein scheint und sich begierig auf Fadenalgen stürzt. Sie verschmäht aber auch kein Aas und ebenso wird alles an Futter genommen, was man der Krabbe verabreicht. Soll sich laut Fossa/Nielsen auch mal an kleinen Niederen vergreifen, was ich aber sonst nie gehört oder gesehen habe! Sie ist superschnell unterwegs und durch die "flache Bauform" mit Sicherheit auch in strömungsstarken Brandungszonen zu finden.

Ralph Bogusch: Wollte zu der Percnon-Krabbe (die ich von Michael Mrutzek bekam) anmerken, daß sie bei mir alle Arten von grünen Algen frißt (Caulerpa, Halimeda, etc.). An braunen oder roten Algen hab ich sie noch nicht gesehen.

Manchmal zupfen die Krabben, auch auf der Suche nach Futter, an Steinkorallen, fressen aber nicht wirklich daran. Da sind meine vier Thor amboinensis schon eher nervig. Allgemein: So lange Algen vorhanden sind sie gut haltbar, danach wird es schwieriger, da sie von Frostfutter alleine nicht leben können.

Synonyme:
Acanthopus gibbesi H. Milne Edwards, 1853
Lonchophorus anceps Eschscholtz, 1825
Plagusia delaunayi Rochebrune, 1883
Zoea boscii Guérin-Méneville in de la Sagra, 1857


Systematik: Biota > Animalia (Kingdom) > Arthropoda (Phylum) > Crustacea (Subphylum) > Malacostraca (Class) > Eumalacostraca (Subclass) > Eucarida (Superorder) > Decapoda (Order) > Pleocyemata (Suborder) > Brachyura (Infraorder) > Eubrachyura (Section) > Thoracotremata (Subsection) > Grapsoidea (Superfamily) > Percnidae (Family) > Percnon (Genus) > Percnon gibbesi (Species)

Bilder

Weiblich

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Allgemein


Haltungserfahrung von Benutzern

how1 am 19.03.17#26
Ich habe in jedem meine kleinen Riffe solche Krabben, Sie sind sehr friedlich und den ganzeh Tag damit beschäftigt zu fressen. Bei meinen kleinen 60l Riff habe ich eine Aussparung für den Abschäumer und da dürften sich die Krabben davon gemacht haben, denn ich fand innerhalb von 3 Tagen hinter dm Aquarium jeweils eine tote Krabbe liegen. Jetzt habe ich den hinteren Spalt auch abgedeckt und mit neuen Krabbe bestückt.
AndreLuty am 14.11.16#25
Ich stell mal ein Bild eines wiss. bestimmten P. gibbesi-Weibchens von Teneriffa ein.

Das bereits ausgewachsene Tier hat ca. 6 Monate in meinem 500-liter-Riffbecken gelebt und nur Algen gefressen, war extrem scheu und hat sonst alles in Ruhe gelassen.

beste Grüße

Andre´

sylt am 04.11.16#24
Ich kann vor der Krabbe nur warnen. Von wegen "Algen-Krabbe" - sie macht aktiv Jagd auf meine Fische!
Sie scheint dabei besonders nachts erfolgreich zu sein.
Sie hat mir innerhalb von 5 Tagen jetzt 2 Flammenkaiser (!) und einen Gramm loretto gekillt.
Dann sitzt sie mit den Fischen zwischen ihren Beinen unter der Riffplatte und zerlegt die Fische nach und nach.
Leider ist die Krabbe in der Tat sehr schnell und mir bislang nicht in die Marmaladenglas-Falle gegangen, so dass ich um meinen weiteren Fischbestand zittere.
Ich würde die Krabbe im Leben nicht mehr kaufen!
26 Haltungserfahrungen von Benutzern sind vorhanden
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Unterhaltung

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Meck8i7 am 10.11.17#3
Seit ca. 2 Jahren halte ich 2 dieser interessanten und flinken Tiere. Mir wurden die Tiere als friedliche Fadenalgenvertilger empfohlen. Mittlerweile bereue ich den Kauf.
Innerhalb kürzester Zeit verschwanden meine 15 Tectusschnecken, bzw. vielmer tauchten nach dem Kauf immer mehr leere Schneckenhäuser auf.
Aufmerksam hierauf wurde ich aufgrund einiger Usererfahrungen hier und beobachtete die Tiere danach genauer.
Sie jagen sehr gerne Frostfutter nach welches ich auch reichlich füttere. Gefressen wird alles, Artemia, Mysis etc.
Zwischenzeitlich hatte ich mal Pygmy Angel Formula für mein Loricula-Pärchen ausprobiert. Ich hatte das Futter gerade im Wasser, da hat es auch schon gekocht.
Mir wurde Angst und Bange wie die beiden Krabben abhausen können um an dieses Futter zu kommen.
Leider gehen meine beiden auch gerne an Capnella und fressen den Stamm an, sodass die Tiere verkrüppeln. Eine Haltung dieser Art ist nicht möglich, da die Tiere nicht schön wachsen können - überleben tun sie aber.
Auch habe ich schon gesehen wie sie Cespitularia auffraßen. Meine Quadricolor hatte sich "anders in den Wind gedreht" und die Cespitularia vernesselt.
Innerhalb kürzester Zeit wurde daraufhin ein ganzer Stamm weggeknabbert.
Seit letzter Woche wird jeden Tag eine Scheibe Rhodactis zerfetzt und vertilgt.
Angefangen hat es damit, dass ich 2 Scheiben abgedeckt habe, in der Hoffnung dass sie umziehen, da sie eine Milka am Stamm vernesselt haben.
Leider sind die Tiere jedoch wohl verendet, womit das übel seinen Lauf nahm und die Krabben sich darüber hermachten.
Ich bin mir nicht sicher ob die Rhodactis seitdem bewusst gefressen werden oder durch die hektische Art der Krabben wenn sie Futter wittern die umliegenden Scheiben durch die spitzen Beine und Scheren verletzt werden und daraufhin aufgeräumt wird. Bis dahin jedenfalls war das gelegentliche "betreten" und "durchstöbern" der Krabben auf den Scheiben kein Problem.
Ich hoffe ich kann die Wasserwerte trotzdem stabil halten und hoffe, dass sie mir ein paar Scheiben übrig lassen.
Positiv ist, dass das Becken dadurch sauber gehalten wird. Eine Chance auf Regeneration lassen die Krabben jedoch nicht und säubern ohne Rücksicht auf Verluste bei dem kleinsten Anzeichen von Schwäche.
Aktiv an Fische sind sie mir zum Glück noch nicht, auch wenn sie gerne mal einen von der Seite anhüpfen. Bedrohlich war es bisher aber nicht.
Aufgrund dieser Erfahrung würde ich von einer Haltung in Kombination mit Schnecken und Weichen abraten.
Wie im Meerwasser üblich ist aber jedes Tier sicher anders. Abends/Nachts grasen sie ganz friedlich am Lebendgestein oder an der ungeputzten hinteren Scheibe wie unschuldige Schäfchen.


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