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Percnon gibbesi Felsenkrabbe

Percnon gibbesi wird umgangssprachlich oft als Felsenkrabbe bezeichnet. Haltung im Aquarium: Mittel. Es wird ein Aquarium von mindestens 50 Liter empfohlen. Giftigkeit: Vergiftungsgefahr unbekannt.


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Bilddetail


Steckbrief

lexID:
815 
AphiaID:
107458 
Wissenschaftlich:
Percnon gibbesi 
Umgangssprachlich:
Felsenkrabbe 
Englisch:
Nimble Spray Crab 
Kategorie:
Krabben 
Stammbaum:
Animalia (Reich) > Arthropoda (Stamm) > Malacostraca (Klasse) > Decapoda (Ordnung) > Percnidae (Familie) > Percnon (Gattung) > gibbesi (Art) 
Erstbestimmung:
(H. Milne Edwards, ), 1853 
Vorkommen:
Ascencion, St. Helena & Tristan da Cunha, Azoren, Bahamas, Florida, Golf von Mexiko, Kanarische Inseln, Kapverdische Inseln, Karibik, Mittelmeer, Ost-Atlantik, Ost-Pazifik, Spanien, Süd-Atlantik, Trinidad und Tobago, West-Atlantik 
Meerestiefe:
1 - 3 Meter 
Größe:
5 cm - 6 cm 
Temperatur:
23°C - 25°C 
Futter:
Aas, Kadaver, Algen, Detritus, Debris (totes organisches Material), Flockenfutter, Frostfutter (große Sorten), Futtertabletten, Muschelfleisch, Würmer (Polychaeten, Annelida, Nematoden) 
Aquarium:
~ 50 Liter 
Schwierigkeitsgrad:
Mittel 
Nachzucht:
Nicht als Nachzucht erhältlich 
Giftigkeit:
Vergiftungsgefahr unbekannt 
CITES:
Nicht ausgewertet 
Rote Liste:
NE nicht beurteilt 
Verwandte Arten im
Catalogue of Life:
 
Author:
Publisher:
Meerwasser-Lexikon.de
Erstellt:
Zuletzt bearbeitet:
2020-01-22 15:00:59 

Haltungsinformationen

(H. Milne Edwards, 1853)

vom (2014-01-06): Zur BIOLOGIE der Tiere: aus wissenschaftlichen Papieren lassen sich folgende Beobachtungen ziehen: Leben in Felsspalten am oberen Rand des Sublittorals, ziehen sich äußerst schnell in ihre Verstecke zurück, daher sehr schwer zu fangen. Leben intertidal, in Tiefen von 0-10m. Bis zu 3 cm Carapaxbreite. Rein herbivor, algenfressend.

Beobachtungen aus der Aquaristik bestätigen die Schnelligkeit dieser Tiere, sie nehmen hier auch gerne jegliches Futter sowie Aas an, aktive Jäger sind sie nicht.

P. gibbesi gilt als invasivste Krabbe im Mittelmeer. Wo sie auftauchte, konnte sie rasend schnell Populationen etablieren, sowohl in menschlich beeinflussten Standorten wie Hafenbecken als auch in der Natur, heißt es in Studien.

Zur TAXONOMIE der Tiere:
Nach Hinweis von Sebastian (AZB), wonach diese braun-beige gebänderte Percnon seit sechs Jahren aus der Karibik geliefert bekommen, hingegen die Variante/Art mit den gelb/grünen Füßen aus dem pazifischem Raum, haben wir uns erneut mit der Zuordnung der Arten in der Gattung Percnon beschäftigt. P. guinotae ist mit knallroten Augen und lila Scheren recht klar zu identifizieren, ob P. affine und P. abbreviatum importiert wurden und im Handel auftauchten, ist unbekannt. Sollte sich also jemand wundern, dass die Zuordnung getauscht wurde, ist das hier die Erklärung.

Die Einteilung ist schwierig, denn die Wissenschaft ist sich überhaupt nicht einig, ob P. gibbesi und P. planissimum tatsächlich zwei Arten sind. Von daher gibt es auch kaum/keine morphologischen Unterschiede – Färbungen sind meistens in Artbeschreibungen gar nicht dokumentiert.

"The crabs at present assigned to the closely related species P. gibbesi and P. planissimum are distributed world-wide in tropical-temperate waters. P. planissimum was described by Herbst in 1804 on a specimen from the East Indies (the type was recently figured by Sakai, 1999). P. gibbesi was described by Milne Edwards on Antillean material, which, in respect of Indo-Pacific specimens, presents only small differences regarding the morphology of the chelae. American authors (Rathbun 1918 a and b; Garth, 1965; Manning and Holthuis, 1981, Williams, 1984) mantain the distinction of the two species, while several European researchers have considered P. gibbesi a junior synonym of P. planissimum (Nobre 1931; Zariquiey Alvarez, 1968; Forest and Guinot, 1966; Saldanha, 1995). Crosnier (1965) considered P. gibbesi “extremement proche de P. planissimum”, noting that carapace, abdomen and male pleopods are identical. Given that the two forms, if not species, can be separated, their detailed morphological characteristics assume the significance of an indication of the eastern or western origin of the alien crab."
Marco Relini, Lidia Orsi, Valentina Puccio and Ernesto Azzurro (2000): The exotic crab Percnon gibbesi (H. Milne Edwards, 1853) (Decapoda, Grapsidae) in the Central Mediterranean. Scientia Marina 64 (3): 337-340.

P. gibbesi und P. planissimum unterscheiden sich tatsächlich leicht, in der Ausdehnung behaarter Zonen auf den Scherenarmen:
"… Carapace disk-like, slightly oval, flattened, pubescent except several symmetrical small raised areas which are naked (this characteristic is common to both species P. gibbesi and P. planissimum and separates them from a group of Indopacific species of the same genus, P. affine, P. abbrevia- tum and P. guinotae, which, according Crosnier (1965), seem distinguished by a more extended set of morphological characteristics in respect of the first pair.
… Chelipedes unequal, the left larger especially in the palm. Both palms bear a small pilose inner zone and an adjacent short pilose groove: the lat- ter in the larger chela is contained about 4 times in the palm length (measured on a straight line); in the smaller chela it is contained 6 times in the palm length (the groove length, from a fourth to a half the upper margin of the palm versus unconspicuous to scarcely a sixth of the length of the upper margin of the palm, is the main character to distinguish P. gibbesi from P. planissimum according to Schmitt, 1939). A single spine rises in the middle of these adjacent pilose areas."
ebenfalls M. RELINI et al. (2000): The exotic crab Percnon gibbesi in Central Mediterranean. Scientia Marina 64 (3): 337-340

Dokumentiert sind die verschiedenen Verbreitungen der beiden Arten. P. gibbesi etwa aus Pazifik und Atlantik entlang von Kalifornien bis Chile beziehungsweise Florida bis Brasilien sowie Afrika vom Golf von Guinea bis zu den Azoren und als Invasor über die Straße von Gibraltar im mittlerweile fast ganzen Mittelmeer. Tiere auf flachen Felsen wiesen mitunter Färbungen aposematischer Mimese auf (das Nachahmen von Arten mit Warnfarben).
P. planissimum ist dokumentiert aus Japan, den ganzen Südseeinseln im Pazifik, Hawaii, dem Indischen Ozean bis vor Madaskar sowie Surinam (Atlantik!). Letzteres (Surinam) dürfte wohl eine Fehlidentifizierung sein, denn sie widerspricht allen anderen Angaben.

Abbildungen, auch wissenschaftliche, zeigen beide Arten in beiden Färbungen. Wir gehen jedoch aufgrund der Erfahrungen bei den Importen und einigen Quellen davon aus, dass es sich bei Tieren mit den gebänderten Beinen um P. gibbesi handelt und bei den gelben Längstreifen an den Engliedern der Laufbeine um P. planissimum. Das ist das einzige unterscheidungsmerkmal, dass ohne eingehende morphologische Untersuchung auch für Laien erkennbar ist. Hilfreich ist natürlich ein Herkunftsort.

Die erwähnte Beschreibung bei Schmitt findet sich hier: Waldo Schmitt (1939): Decapod and other Crustacea collected on the Presidential Cruise of 1938. Smithsonian Miscellanous Collections Volume 98 Number 6: 29pp. Ein Schlüssel zu den Arten der Gattung (Key to the species of Percnon) findet sich hier: http://www.biodiversitylibrary.org/page/8824267#page/200/mode/2up


Aquarienhaltung:
Michael Mrutzek: Algenfressende Krabbe, die superfriedlich zu sein scheint und sich begierig auf Fadenalgen stürzt. Sie verschmäht aber auch kein Aas und ebenso wird alles an Futter genommen, was man der Krabbe verabreicht. Soll sich laut Fossa/Nielsen auch mal an kleinen Niederen vergreifen, was ich aber sonst nie gehört oder gesehen habe! Sie ist superschnell unterwegs und durch die "flache Bauform" mit Sicherheit auch in strömungsstarken Brandungszonen zu finden.

Ralph Bogusch: Wollte zu der Percnon-Krabbe (die ich von Michael Mrutzek bekam) anmerken, daß sie bei mir alle Arten von grünen Algen frißt (Caulerpa, Halimeda, etc.). An braunen oder roten Algen hab ich sie noch nicht gesehen.

Manchmal zupfen die Krabben, auch auf der Suche nach Futter, an Steinkorallen, fressen aber nicht wirklich daran. Da sind meine vier Thor amboinensis schon eher nervig. Allgemein: So lange Algen vorhanden sind sie gut haltbar, danach wird es schwieriger, da sie von Frostfutter alleine nicht leben können.

Synonyme:
Acanthopus gibbesi H. Milne Edwards, 1853
Lonchophorus anceps Eschscholtz, 1825
Plagusia delaunayi Rochebrune, 1883
Zoea boscii Guérin-Méneville in de la Sagra, 1857


Systematik: Biota > Animalia (Kingdom) > Arthropoda (Phylum) > Crustacea (Subphylum) > Malacostraca (Class) > Eumalacostraca (Subclass) > Eucarida (Superorder) > Decapoda (Order) > Pleocyemata (Suborder) > Brachyura (Infraorder) > Eubrachyura (Section) > Thoracotremata (Subsection) > Grapsoidea (Superfamily) > Percnidae (Family) > Percnon (Genus) > Percnon gibbesi (Species)

Bilder

Weiblich

Percnon planissimum - Weibchen
1
Percnon planissimum - Weibchen
1

Allgemein


Erfahrungsaustausch

am 21.03.21#27
Ich habe meine beiden Weibchen aus dem Hauptbecken gefangen und sie werden im Filterbecken bis zur Abgabe gehalten. In der Beschreibung, hier im Meerwasserlexikon, ist zu lesen die Krabbe sei herbivor (Pflanzenfresser). Ebenso ist das in einigen Haltungserfahrungen zu lesen. Dies stimmt definitiv nicht! Diese Krabben sind Fleischfresser und aktive Jäger, trotz ausreichender Fütterung.
Hier meine persönlichen Erfahrungen: Beide Percnon Gibbesi Krabben habe ich dabei beobachtet wie sie an Steinkorallen geknabbert haben. Ich weiß nicht ob sie nur Algenbeläge zwischen den Polypen gefressen haben, zumindest waren die Polypen der ganzen Koralle eingezogen. Ich konnte jetzt eine meiner beiden Krabben dabei beobachten wie sie, tagsüber, einen Kanarienlippfisch zerlegte. Der Fisch befand sich erst seit 8 Tagen im Becken und war kurz zuvor noch vital und agil. Er muss von der Krabe gefangen worden sein, bei voller Beleuchtung.
Zuvor sind schon einige Fische spurlos verschwunden, ebenso habe erstaunlich viele leere Gehäuse von Turboschnecken gefunden. Ob die Percnon Krabben damit zutun haben kann ich aber nur vermuten.
Übrigens wurden die Krabben mit einer Fischfalle gefangen in der ich einen Stint (kleiner Hering) befestigt hatte. Die Prozedur für beide Krabben hat nur wenige Minuten gedauert.
am 19.03.17#26
Ich habe in jedem meine kleinen Riffe solche Krabben, Sie sind sehr friedlich und den ganzeh Tag damit beschäftigt zu fressen. Bei meinen kleinen 60l Riff habe ich eine Aussparung für den Abschäumer und da dürften sich die Krabben davon gemacht haben, denn ich fand innerhalb von 3 Tagen hinter dm Aquarium jeweils eine tote Krabbe liegen. Jetzt habe ich den hinteren Spalt auch abgedeckt und mit neuen Krabbe bestückt.
am 14.11.16#25
Ich stell mal ein Bild eines wiss. bestimmten P. gibbesi-Weibchens von Teneriffa ein.

Das bereits ausgewachsene Tier hat ca. 6 Monate in meinem 500-liter-Riffbecken gelebt und nur Algen gefressen, war extrem scheu und hat sonst alles in Ruhe gelassen.

beste Grüße

Andre´

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