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Melibe colemani Baumschnecke



Steckbrief

lexID:
5292 
AphiaID:
708806 
Wissenschaftlich:
Melibe colemani 
Umgangssprachlich:
Baumschnecke 
Englisch:
Ghost Melibe 
Kategorie:
Nacktschnecken 
Stammbaum:
Animalia (Reich) > Mollusca (Stamm) > Gastropoda (Klasse) > Nudibranchia (Ordnung) > Tethydidae (Familie) > Melibe (Gattung) > colemani (Art) 
Erstbestimmung:
Gosliner & Pola, 2012 
Vorkommen:
Indonesien, Komodo, Malaysia, Palau 
Größe:
bis zu 4cm 
Temperatur:
22°C - 27°C 
Futter:
Nahrungsspezialist 
Schwierigkeitsgrad:
Für Aquarienhaltung nicht geeignet 
Nachzucht:
Keine 
Giftigkeit:
Vergiftungsgefahr unbekannt 
Rote Liste:
NE nicht beurteilt 
Verwandte Arten im
Catalogue of Life:
 
Weiter verwandte
Arten im Lexikon:
 
Author:
Publisher:
Meerwasser-Lexikon.de
Erstellt:
Zuletzt bearbeitet:
2017-06-30 22:01:52 

Haltungsinformationen

Gosliner & Pola

Gosliner & Pola

"Diese absolut unglaubliche Art sieht nicht aus wie ein Tier, geschweige denn wie eine Nacktschnecke. Wenn wir die umhüllten Rhinophoren nicht gefunden hätten, dann würde man denken, dass es sich nur um einen Haufen Rotz im Wasser handelt."

Mit diesen Worten beginnt ein toller Bericht auf der Seite http://slugsite.us/bow2007/nudwk804.htm

Da es wohl keine bessere Beschreibung für dieses bizarre und ungewöhnliche Tier gibt, haben wir versucht, den Text ins Deutsche zu übersetzen. Danke an Alexander für den guten Tipp!

Wir haben zuerst von dieser Art gehört, als Neville Coleman seine Nacktschnecken-Enzyklopädie veröffentlichte (Seite 389 und 390). Als Nev uns das Foto für unsere Seite "Indo-Pacific Nacktschnecken" angeboten hatte, hatten wir immer noch keine Exemplare, um eine genaue Beschreibung dieses Tieres durchzuführen.
Schließlich stellte Nev Terry Gosliner und Marta Pola ein Exemplar zur Verfügung, die gemeinsam eine Studie über diese bizarre Melibe durchgeführten!
Ihre Ergebnisse wurden kürzlich in der Zeitschrift „Journal of Systematics and Biodiversity“ veröffentlicht.
Ich selbst hatte ebenfalls das Vergnügen mehrere Exemplare bei den Komodos Inseln in der Region von Indonesien zu finden, und der exzellente Taucher und Fotograf Kevin-Lee ist ebenfalls gerade aus dieser Gegend zurückkehrte, wo er Dutzende von diesen Tieren sah.
Das Auffinden dieses transparenten Edelsteins kann eine Herausforderung sein, aber wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen, dann scheinen diese Schnecken doch reichlich vorhanden zu sein.

Auf dem Foto oben, und in Nev´s Buch, wurden die Tiere von der Seite beleuchtet, so, dass die Tiere ziemlich außerirdisch erscheinen, mit ihren Reihen von beleuchteten, verzweigten Röhren.
Diese sind tatsächlich miteinander verbundene Verdauungsdrüsen, Tubuli, der hauptsächliche Bestandteil vom Körper und Cerata.
Wenn man zuerst auf M. Colemani stößt, sieht es eher aus wie ein Büschel Algen oder Hydrozoen, das in den Wellen schwenkt.
Sicherlich ist man sich einig, dass dieses Foto ist nicht so außergewöhnlich aussieht, wie die von der Seite beleuchteten Fotos, aber es ist das, was das Auge normalerweise sieht. Man sieht, was eine Art Anatomie zu sein scheint. Die Farbe unter normalen Bedingungen ist ein cremiges braun.

Äußerlich ist M. Colemani ähnlich mit M. Bucephala Bergh, 1902 (Bill Rudmans Sea Slug Forum) und M. Engeli Risbec, 1937, insofern, dass es Cerata mit länglichen apikalen Papillen hat. Jedoch bei M. Colemani, sind die Cerata seitlich abgeflacht statt zylindrisch, wie bei den anderen beiden Arten. Auch beide M. Bucephala und M. Engeli unterscheiden sich insofern, dass sie Rhinophorale Ummantelungen mit einem Segel-Fortsatz auf der hinteren Seite mit zahlreichen länglichen Papillen haben. Im Gegensatz dazu hat M. Colemani weitgehend zylindrische Rhinophorale Blattummantelungen mit einer einzigen länglichen Papille an der Spitze.
Gary Cobb aus Australien erinnert sich an die Geschichte der Entdeckung dieser Arten, die ihm von Neville selbst erzählt wurde. Weiter unten teilt Gary diese Geschichte mit uns:
Neville Coleman (1938-2012)

"..." Von allen Kreaturen, die ich entdeckt habe, ist die vielleicht beliebteste und bizarrste Colemans Melibe. Obwohl ich meinen Namen als den allgemeinen Name verwendet haben, bedeutet dies nicht notwendigerweise, dass, wenn es abschließend beschrieben wird, dass es bei diesem Namen bleiben wird. Jedoch, da es keinen Verweisnamen auf dieses Tier gibt, wird es zunächst einmal genügen.
Ich war auf einem zweiten (schön und einfach) Tauchgang des Tages bei der Anlegestelle Drift auf Mabul Island in Malaysia mit meiner sehr engagierten Tauchführerin Cindy von SMART DIVERS. Beim Tauchgang schwebten wir an einem Abhang aus Weichkorallen bzw. einem Korallenriff entlang, bestehend aus vielen Gletscherspalten und ein paar kleine Schluchten und Rinnen, die in etwa 15 bis 18 Meter abgewinkelt in einen weichen Boden übergingen. Wie üblich suchten wir Meeresschnecken, aber die meisten Arten die wir fanden, kommen relativ häufig auf Mabul vor, waren also nicht außergewöhnlich.
Ich überprüfte meinen Luftvorrat und bemerkte, dass es schon etwas knapp war, aber da es das Ende des Tauchgangs war, habe ich einfach weniger geatmet. Dieses Verhalten habe ich mir angewöhnt, wenn ich den Tauchgang verlängern will. Ich suchte alles ab, was ich konnte, wohl wissend, dass ich nur noch Luft für ca.12 bis 15 Minuten hatte.
Es gab eine geniale kleine transparente Seescheide mit undurchsichtigen weißen Markierungen, welches mich interessierte (Banded Ascidian Ecteinascidia Bandanensis) und es schien in kleinen Dreierklumpen in der braunen verkrusteten Weichkoralle Briarium sp zu leben.
Während ich an einer großen Kolonie der Weichkoralle vorbeischwamm, bemerkte ich, dass etwas Weißes zwischen den Polypen herausragte, welches so erschien, als ob es dort nicht dahin gehöre.
Es war nur ein nicht beschreibares kleines Stück transparentes Gewebe, mit einigen undurchsichtigen weißen Markierungen, und ich nahm an, dass es die kleine Seescheide war, aber irgendetwas erschien mir anders. Ich atmete aus und sank ein wenig herunter um dies näher zu untersuchen.
Sobald ich das Objekt direkt sah, konnte ich sehen, war es sicherlich keine Seescheide war. Ich wedelte etwas Wasser über die Polypen und einige zogen sich ein, so dass ich mehr von dem Objekt erkennen konnte.
Mein Herz schlug wie verrückt; es schien eine Kreatur mit einer Art weichem Körper zu sei, dass nichts in irgendeiner Art überhaupt dem glich, was ich bisher jemals gesehen hatte.
Allerdings schien sich die Hälfte aufgelöst zu haben und einen kurzen Augenblick habe ich mich gefragt, ob es nur um zersetztes Gewebe handelt. Ich berührte vorsichtig alle Polypen rund um das Objekt um einen besseren Blick darauf zu bekommen. Kaum das es frei lag, begann es zu kriechen und in diesem Moment wusste ich, dass es sich um einen außergewöhnlichen Nacktkiemer handelte. Was sollte ich tun?
Ich hatte nur noch Luft für ein paar Minuten und bereits jetzt signalisierte die Tauchführerin, dass es Zeit war aufzutauchen, um uns mit dem Boot zu treffen. Ich zeigt Cindy was ich gefunden hatte und signalisierte ihr, dass ich noch ein paar weitere Tauchminuten brauchte. Sofort machte ich mich mit meinem NIKONOS-111 mit 2,8 Objektiv und Draht-Rahmen an die arbeiten.
Die Herausforderung bestand darin, das Objekt als etwas Wirkliches aussehen zu lassen. Obwohl ich es aus jedem Winkel fotografiert, wusste ich, dass der Blickwinkel aus einer horizontalen Position nicht aussagekräftig genug war, aber es erschien so zerbrechlich zu sein, dass es sich durch die geringste Berührung auflösen würde..."

Wenn einem die Luft und die Zeit ausgehen, muss man manchmal in der Unterwasserfotografie einfach Entscheidungen treffen, um die benötige Aufnahme machen zu können.
Ich wedelte also langsam etwas Wasser über den Nacktkiemer und hierdurch hob es sich langsam vom Boden, so dass ich die Schnecke an den Rand der Weichkorallen dirigieren konnte, wo ich ein paar Bilder aus der seitlichen Blickrichtung machen konnte. Dann war es endgültig Zeit zu gehen.
Ich blieb in mittlerer Wasserhöhe für einen Drei-Minuten-Sicherheits-Stopp, während Cindy bereits an Bord des Tauchbootes stieg.
Alles ging so schnell, dass sogar auf dem Rückweg zum Resort noch nicht richtig begreifen konnte, was eigentlich geschehen war.
Jedoch bestätigte Cindy mir, dass sie es auch gesehen hatte, als ich es ihr zeigte, war sich aber zu der Zeit nicht sicher, was es war.
Es war eine lange Geduldprobe. Erst die lange Strecke nach Hause nach Brisbane, Queensland, dann das lange Warten auf die entwickelten Filme vom Labor, die bewiesen, dass wir wirklich so ein unglaubliches Wesen gesehen hatten.
Ich hätte mir keine Sorgen machen brauchen. Es gelang mir acht Bilder zu machen, die alle eine hervorragende Studie aus verschiedenen Blickrichtungen des Nacktkiemers an Ort und Stelle waren. Folglich veröffentlichte ich sieben davon in der Nacktschnecken Enzyklopädie, die einzig bekannten Bilder dieser bemerkenswerten Art."

Das traurige an dieser Geschichte ist, dass Neville nur knapp einen Monat bevor die Spezies nach ihm benannt wurde, verstarb.
Neville wird von vielen vermisst werden, aber durch seine zahlreichen Entdeckungen nicht in Vergessenheit geraten.

Bilder

Allgemein

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Unterhaltung

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