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Portumnus latipes schwimmende Krabbe

Portumnus latipes wird umgangssprachlich oft als schwimmende Krabbe bezeichnet. Haltung im Aquarium: Einfach. Es wird ein Aquarium von mindestens 100 Liter empfohlen. Giftigkeit: Vergiftungsgefahr unbekannt.



Steckbrief

lexID:
8734 
Wissenschaftlich:
Portumnus latipes 
Umgangssprachlich:
schwimmende Krabbe 
Englisch:
Swimming Crab 
Kategorie:
Krabben 
Stammbaum:
Animalia (Reich) > Arthropoda (Stamm) > Malacostraca (Klasse) > Decapoda (Ordnung) > Carcinidae (Familie) > Portumnus (Gattung) > latipes (Art) 
Erstbestimmung:
(Pennant, ), 1777 
Vorkommen:
Adria, Ägypten, Britische Inseln, Israel, Marokko, Mittelmeer, Nord-Afrika, Ost-Atlantik, Schwarzes Meer, Spanien, Tunesien 
Größe:
bis zu 6cm 
Temperatur:
°C - 25°C 
Futter:
Allesfresser (omnivor) 
Aquarium:
~ 100 Liter 
Schwierigkeitsgrad:
Einfach 
Nachzucht:
Keine 
Giftigkeit:
Vergiftungsgefahr unbekannt 
Verwandte Arten im
Catalogue of Life:
 
Author:
Publisher:
Meerwasser-Lexikon.de
Erstellt:
Zuletzt bearbeitet:
2015-09-09 14:30:53 

Haltungsinformationen

Portumnus latipes (Pennant, 1777)

Hallo,

mein Name ist Hans Peter (Scooby) und ich bin zugleich auch der, welche o.a. Fotos erstellte und zur Verfügung stellte.

Ich halte diese Krabbenart nun seit ca. drei Monaten in einem Meerwasserbecken. Ein Männchen und ein Weibchen. Fündig wurde ich im Ägäischen Meer. Aufgrund ihrer räuberischen Lebensweise haben sie ihr eigenes Becken, wo ich sie von anderen Tieren getrennt pflege.

Zunächst ein paar wissenschaftliche Informationen über den Lebensraum. Die Quelle dafür ist das Buch 'Marine Biodiversity', Sept. 2013, Vol. 43, Issue 3, pp. 199-204 by Michael Türkay u. Jens Stecher

In meiner Quelle wird Portumnus latipes in Bezug auf die Nordsee behandelt. Ich erlaube mir einige kurze Passagen aus der englischen Sprache zu übersetzen, um das Tier für den Leser etwas mehr zu beleuchten.
Die Schwimmkrabbe Portumnus latipes wurde in der Nordsee nur sehr selten gesichtet. Erst seit 1992 gilt sie dort als dauerhafter, wenn auch seltener Bewohner. In der Vergangenheit wurde sie nur in wärmeren Perioden gefunden. Da sie diesen Lebensraum nun aber auch für sich erschlossen hat, wird dies, gem. den Verfassern des Buches, als Indikator für die langsame Erwärmung der Nordsee herangezogen.
Normalerweise ist diese Krabbenart in ufernahem Gewässer zu finden und zwar dort, wo es sehr viel Sand gibt. Wärme ist für das Überleben dieses Tiers ausgesprochen wichtig! Aufgrund dessen ist die Krabbe nur in wärmeren Meeren heimisch. Dazu zählt u.a. auch das Mittelmeer. Was die Nordsee betrifft, so ist Portumnus latipes in den südöstlichen Gebieten Englands gefunden worden, sowie in manchen Buchten der Belgischen und Holländischen Küste. Weiterhin wird berichtet, dass die Tiere nach härteren Wintern gänzlich von der holländischen Küste verschwanden, das Gebiet danach aber auch langsam wieder nachbesiedelten.
Wenn sie nicht gerade aktiv auf Beutefang ist, lebt sie vergraben im Sand, wo sie vor Feinden relativ sicher ist aber auch dazu imstande ist die Ebbe sehr gut zu überdauern. Die Tiere wurden übrigens auch in einer Tiefe von 30 Metern schon gefunden, jedoch wird vermutet, dass das Aufsuchen solcher Tiefen auf Zufällen beruhe und Ausnahmefälle seien.


Zu meinen persönlichen Erfahrungen:
Während meiner Schnorchelgänge fand ich diese Krabbe ausschließlich in sandigen Regionen der Adria und des Ägäischen Meeres. Sie teilt sich den Lebensraum mit anderen Schwimmrabbenarten. So fand ich dort auch Liocarcinus depurator sowie immer wieder, z.T. vollständige Häutungsreste von Portunus hastatus, welche ich vor allem an ihrem auffälligen "Augenfleck" an den Paddelbeinen sowie den langen Seitenstacheln am Rückenschild identifizierte.
Wie die anderen dort heimischen Schwimmkrabben verlässt Portumnus latipes nur in der anbrechenden Dämmerung ihr sandiges Versteck und läuft dann sowohl seitlich als auch vor- und rückwärts über die weiten Sandebenen, auf der Suche nach Nahrung. Sie ist sehr agil und hat gute Augen. Schwimmbewegungen meinerseits werden einem schnellen eingraben honoriert. Man muss also schon genau wissen, wie die Tiere, die excellent auf dem Sand getarnt sind, aussehen.
Im Vergleich zur Schwimmkrabbe Liocarcinus depurator, die ich ebenfalls halte, sind ihre Scheren bei weitem nicht so stark. Ihr Griff ist zu verschmerzen. Auch habe ich nie erlebt, dass sie ihre Schere nach dem Zupacken abwerfen, um anschließend die Flucht anzutreten.
Ihre Paddelbeine sind zwar gut ausgeprägt, jedoch nicht ganz so breit wie die von Liocarcinus depurator und laufen relativ spitz zu. Am Rand der Paddel besitzt sie darüber hinaus noch eine lange Reihe haariger Fortsätze, die ihr zusätzlich beim Schwimmen nützlich sind. Sie ist eine gute Schwimmerin, die sich dabei hektisch bewegt und den Eindruck erweckt sie rase dahin. Die Schwimmeleganz, die Liocarcinus depurator durch ihre ausgeprägteren Paddel hat, besitzt sie in meinen Augen aber nicht.
Sie ernährt sich von so ziemlich allem. Ich füttere sie bei mir zu Hause vornehmlich mit Muschel- und Garnelenfleisch. Sie ist nicht so aggressiv wie Liocarcinus depurator. Ich würde sie sogar eher als schreckhaft bezeichnen. Auch nach einigen Monaten in Gefangenschaft sind sie noch immer sehr ängstlich. Dies beobachte ich besonders Abends, wenn sie aus dem Sand kommen. Sobald sie eine Bewegung von mir mitbekommen, sind sie im Nu wieder vergraben und lassen sich dann erst mal nicht mehr blicken.
Sobald aber Futter im Wasser ist und sie den Geruch aufgennommen haben, schießen sie aus dem Sand hervor und jagen durch das Becken, bis sie was zu packen bekommen haben. Sie graben sich dann mitsamt Beute tief in den Sand ein und bleiben verschwunden. Hin und wieder beobachtete ich auch schon Gerangel zwischen den beiden Geschlechtern, aber niemals mit Verletzungen. Das Männchen gewinnt fast immer, aber da ich beide parallel füttere geht natürlich keine leer aus.

Für Fragen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung.

Viele Grüße
Hans Peter

Systematik: Biota > Animalia (Kingdom) > Arthropoda (Phylum) > Crustacea (Subphylum) > Multicrustacea (Superclass) > Malacostraca (Class) > Eumalacostraca (Subclass) > Eucarida (Superorder) >Decapoda (Order) > Pleocyemata (Suborder) >Brachyura (Infraorder) >Eubrachyura (Section) > Heterotremata (Subsection) > Portunoidea (Superfamily) >Portunidae (Family) > Carcininae (Subfamily) > Portumnus (Genus) > Portumnus latipes (Species)

Bilder

Allgemein


Erfahrungsaustausch

Scooby am 09.09.15#1
Hallo,

mein Name ist Hans Peter (Scooby) und ich bin zugleich auch der, welche o.a. Fotos erstellte und zur Verfügung stellte.

Ich halte diese Krabbenart nun seit ca. drei Monaten in einem Meerwasserbecken. Ein Männchen und ein Weibchen. Fündig wurde ich im Ägäischen Meer. Aufgrund ihrer räuberischen Lebensweise haben sie ihr eigenes Becken, wo ich sie von anderen Tieren getrennt pflege.

Zunächst ein paar wissenschaftliche Informationen über den Lebensraum. Die Quelle dafür ist das Buch 'Marine Biodiversity', Sept. 2013, Vol. 43, Issue 3, pp. 199-204 by Michael Türkay u. Jens Stecher

In meiner Quelle wird Portumnus latipes in Bezug auf die Nordsee behandelt. Ich erlaube mir einige kurze Passagen aus der englischen Sprache zu übersetzen, um das Tier für den Leser etwas mehr zu beleuchten.
Die Schwimmkrabbe Portumnus latipes wurde in der Nordsee nur sehr selten gesichtet. Erst seit 1992 gilt sie dort als dauerhafter, wenn auch seltener Bewohner. In der Vergangenheit wurde sie nur in wärmeren Perioden gefunden. Da sie diesen Lebensraum nun aber auch für sich erschlossen hat, wird dies, gem. den Verfassern des Buches, als Indikator für die langsame Erwärmung der Nordsee herangezogen.
Normalerweise ist diese Krabbenart in ufernahem Gewässer zu finden und zwar dort, wo es sehr viel Sand gibt. Wärme ist für das Überleben dieses Tiers ausgesprochen wichtig! Aufgrund dessen ist die Krabbe nur in wärmeren Meeren heimisch. Dazu zählt u.a. auch das Mittelmeer. Was die Nordsee betrifft, so ist Portumnus latipes in den südöstlichen Gebieten Englands gefunden worden, sowie in manchen Buchten der Belgischen und Holländischen Küste. Weiterhin wird berichtet, dass die Tiere nach härteren Wintern gänzlich von der holländischen Küste verschwanden, das Gebiet danach aber auch langsam wieder nachbesiedelten.
Wenn sie nicht gerade aktiv auf Beutefang ist, lebt sie vergraben im Sand, wo sie vor Feinden relativ sicher ist aber auch dazu imstande ist die Ebbe sehr gut zu überdauern. Die Tiere wurden übrigens auch in einer Tiefe von 30 Metern schon gefunden, jedoch wird vermutet, dass das Aufsuchen solcher Tiefen auf Zufällen beruhe und Ausnahmefälle seien.


Zu meinen persönlichen Erfahrungen:
Während meiner Schnorchelgänge fand ich diese Krabbe ausschließlich in sandigen Regionen der Adria und des Ägäischen Meeres. Sie teilt sich den Lebensraum mit anderen Schwimmrabbenarten. So fand ich dort auch Liocarcinus depurator sowie immer wieder, z.T. vollständige Häutungsreste von Portunus hastatus, welche ich vor allem an ihrem auffälligen "Augenfleck" an den Paddelbeinen sowie den langen Seitenstacheln am Rückenschild identifizierte.
Wie die anderen dort heimischen Schwimmkrabben verlässt Portumnus latipes nur in der anbrechenden Dämmerung ihr sandiges Versteck und läuft dann sowohl seitlich als auch vor- und rückwärts über die weiten Sandebenen, auf der Suche nach Nahrung. Sie ist sehr agil und hat gute Augen. Schwimmbewegungen meinerseits werden einem schnellen eingraben honoriert. Man muss also schon genau wissen, wie die Tiere, die excellent auf dem Sand getarnt sind, aussehen.
Im Vergleich zur Schwimmkrabbe Liocarcinus depurator, die ich ebenfalls halte, sind ihre Scheren bei weitem nicht so stark. Ihr Griff ist zu verschmerzen. Auch habe ich nie erlebt, dass sie ihre Schere nach dem Zupacken abwerfen, um anschließend die Flucht anzutreten.
Ihre Paddelbeine sind zwar gut ausgeprägt, jedoch nicht ganz so breit wie die von Liocarcinus depurator und laufen relativ spitz zu. Am Rand der Paddel besitzt sie darüber hinaus noch eine lange Reihe haariger Fortsätze, die ihr zusätzlich beim Schwimmen nützlich sind. Sie ist eine gute Schwimmerin, die sich dabei hektisch bewegt und den Eindruck erweckt sie rase dahin. Die Schwimmeleganz, die Liocarcinus depurator durch ihre ausgeprägteren Paddel hat, besitzt sie in meinen Augen aber nicht.
Sie ernährt sich von so ziemlich allem. Ich füttere sie bei mir zu Hause vornehmlich mit Muschel- und Garnelenfleisch. Sie ist nicht so aggressiv wie Liocarcinus depurator. Ich würde sie sogar eher als schreckhaft bezeichnen. Auch nach einigen Monaten in Gefangenschaft sind sie noch immer sehr ängstlich. Dies beobachte ich besonders Abends, wenn sie aus dem Sand kommen. Sobald sie eine Bewegung von mir mitbekommen, sind sie im Nu wieder vergraben und lassen sich dann erst mal nicht mehr blicken.
Sobald aber Futter im Wasser ist und sie den Geruch aufgennommen haben, schießen sie aus dem Sand hervor und jagen durch das Becken, bis sie was zu packen bekommen haben. Sie graben sich dann mitsamt Beute tief in den Sand ein und bleiben verschwunden. Hin und wieder beobachtete ich auch schon Gerangel zwischen den beiden Geschlechtern, aber niemals mit Verletzungen. Das Männchen gewinnt fast immer, aber da ich beide parallel füttere geht natürlich keine leer aus.

Für Fragen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung.

Viele Grüße
Hans Peter

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