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Liocarcinus depurator Ruderkrabbe

Liocarcinus depurator wird umgangssprachlich oft als Ruderkrabbe bezeichnet. Die Haltung gilt als mittelschwer. Es wird ein Aquarium von mindestens 100 Liter empfohlen. Giftigkeit: Nicht giftig.



Steckbrief

lexID:
8307 
Wissenschaftlich:
Liocarcinus depurator 
Umgangssprachlich:
Ruderkrabbe 
Englisch:
sandy swimming crab 
Kategorie:
Krabben 
Stammbaum:
Animalia (Reich) > Arthropoda (Stamm) > Malacostraca (Klasse) > Decapoda (Ordnung) > Polybiidae (Familie) > Liocarcinus (Gattung) > depurator (Art) 
Erstbestimmung:
(Linnaeus, 1758) 
Vorkommen:
Algerien, Britische Inseln, Europäische Gewässer, Israel, Marokko, Mittelmeer, Nord-Afrika, Nord-Atlantik, Ost-Atlantik, Spanien, Tunesien 
Größe:
4 cm - 5 cm 
Temperatur:
°C - 25°C 
Futter:
Artemia, adult (Salzwasserkrebschen), Flockenfutter, Futtertabletten, Mysis (Schwebegarnelen) 
Aquarium:
~ 100 Liter 
Schwierigkeitsgrad:
einfach 
Nachzucht:
Keine 
Giftigkeit:
Nicht giftig 
Verwandte Arten im
Catalogue of Life:
 
Author:
Publisher:
Meerwasser-Lexikon.de
Erstellt:
Zuletzt bearbeitet:
2015-04-30 07:48:24 

Haltungsinformationen

Liocarcinus depurator (Linnaeus, 1758)

Die Fotos von Liocarcinus depurator wurden uns freundlicherweise von Hans Peter Skobelj zur Verfügung gestellt, vielen herzlichen Dank dafür.

Im Meer halten sich die Schwimm Krabben gerne auf sandigen und kiesigen Boden im Seegras und in Algen versteckt. Sie leben meist auf Wassertiefen von 5 bis ca 150 Metern, es gibt aber auch Sichtungen die tiefer gehen.

Sie können sich mit Ihren paddelförmigen Hinterbeinen schwimmend entfernen, daher auch der Name Schwimmkrabbe, allerdings sind sie auch in der Lage, sich schnell in den Untergrund einzugraben.

Es gibt mehrere Synonyme:
Cancer depurator Linnaeus, 1758 (synonym)
Macropipus depurator (Linnaeus, 1758)
Polybius (Polybius) depurator (Linnaeus, 1758)
Portunus depurator (Linnaeus, 1758) (Subsequent combination)
Portunus plicatus Risso, 1816

Klassification:
Biota > Animalia (Kingdom) > Arthropoda (Phylum) > Crustacea (Subphylum) > Malacostraca (Class) > Eumalacostraca (Subclass) > Eucarida (Superorder) > Decapoda (Order) > Pleocyemata (Suborder) > Brachyura (Infraorder) > Eubrachyura (Section) > Heterotremata (Subsection) > Portunoidea (Superfamily) > Polybiidae (Family) > Liocarcinus (Genus)

Weiterführende Links

  1. Sealifebase (engl.)
  2. Youtube (deut.)

Bilder

Allgemein


Haltungserfahrung von Benutzern

Scooby am 30.04.15#1
Hallo,

mein Name ist Hans Peter u. ich bin zugleich auch der, welcher o.a. Bilder sowie das YouTube Video zur Verfügung stellte.

Ich halte diese Krabbenart nun seit über einem halben Jahr erfolgreich in einem kleinen Adria Becken. Sie hat sich bereits zweimal gehäutet.

Seit ich denken kann, verbringe ich jedes Jahr in Kroatien meinen Urlaub. Das Schnorcheln ist eins meiner dortigen Leidenschaften und ich würde mich als ein wahrer Krabbenfan bezeichnen.
Besonders angetan haben es mir die Schwimmkrabben.

Liocarcinus depurator fand ich immer in reinen Sandregionen. Diese Tiere leben versteckt und meist vergraben. Sie sind ihrem Lebensraum sehr angepasst und vorzüglich getarnt. Dies trifft besonders dann zu, wenn sie eingegraben sind. Dann schauen wirklich nur noch ihre Augen aus dem Sand, was ein Entdecken meiner Meinung nach schier unmöglich macht.
Nichtdestotrotz findet man aber auch immer mal wieder (mit etwas Glück) Tiere, die gerade auf Beutesuche sind oder gerade, halb eingegraben, Nahrung zu sich nehmen. Da sie nachtaktiv sind, ist das meistens in den frühen Morgenstunden oder auch Abends der Fall. Mit einem aufmerksamen Blick einer sehr ruhigen, unauffälligen Schwimmweise und der genauen Vorstellung, wie sie aussehen, ist es dann möglich sie zu entdecken.
Achtung! Sie haben sehr gute Augen und sind reaktionsschnell. Wenn man durch das Wasser planscht und mit den Armen rudert, wird man erkannt und geht leer aus. Daher schrieb ich bewusst von einer ruhigen, unauffälligen Schwimmweise, wenn man sie aktiv sucht.

Diese Art lebt sehr räuberisch und schreckt auch nicht vor Kannibalismus zurück. Von einer Haltung mitsamt kleinen Fischen, aber auch Einsiedlerkrebsen oder anderen Krabben ist vollkommen abzuraten! Wer sie halten möchte, der möge es so machen, dass sie allein ist.

Sie sind ausgesprochen flink, schwimmen schnell und können sich binnen einer Sekunde im Sand vergraben, wobei die Jungtiere aufgr. ihrer Größe, noch schneller sind. Man muss sich die Stelle dann wirklich schon gut merken, wenn man hinabtaucht, um sie zu erwischen.

Die Scheren der Depuratoren (wie ich diese Krabben auch gern nenne ^^ ) sind unglaublich scharf und nach innen gebogen. Perfekt, um Fische zu greifen und zu halten. Ebenso sind sie damit auch imstande die Fingerhaut problemlos zu durchdringen und blutende Wunden zu hinterlassen. Je älter das Tier ist, desto größer die Gefahr!
Weiterhin hat diese Art auch die (gemeine) Strategie die betreffende Schere augenblicklich abzuwerfen, mit der sie einen Finger ergriffen hat. Während die Schere sich immer weiter ins Fleisch schneidet und heftige Schmerzen verursacht, nutzt das Tier derweil die Zeit zur Flucht.
Diese Beobachtung und schmerzliche Erfahrung musste ich vor allem in jüngeren Jahren machen und war dann immer gezwungen die Schere mit den Zähnen zu zerbeissen, da ich mich sonst nicht davon befreien konnte. Sie einfach vom Finger abzureissen wäre unklug und würde eine noch größere Wunde schlagen. Liest sich vielleicht etwas krass, ist aber tatsächlich so gewesen.

Ich fange diese Krabben immer so, dass ich warte, bis sie sich eingräbt oder aktiv erschrecke, um das Eingraben einzuleiten. Auf diese Weise kann ich ausschließen, dass sie meine Finger zu packen bekommt. Sobald das getan ist, ergreife ich das Tier mitsamt Sand und halte es fest umschlossen. Dann wirbele ich langsam den Sand weg, bis nur noch die eingeschlossene Krabbe in der geschlossenen Hand ist. Es mag umständlich klingen, ist aber die sicherste Art beim Erstfang.
Einige Minuten später, sobald sich das Tier beruhigt hat, ist sie weniger angriffslustig und man kann sie auf der bloßen Hand unter Wasser betrachten, sie schwimmen lassen und schließlich wieder getrost freilassen. Bitte darauf achten, dass es auch dort ist, wo man sie fing. Also im Sandgebiet, nicht dort wo Steine sind.

Was noch anzumerken wäre ist, dass sie höchst sauerstoffbedürftig sind. Wer sie also mitnehmen will, um sie später im Aquarium zu halten, der möge darauf achten täglich das Wasser zu wechseln und die Krabbe in einem größeren Gefäß, z.B. ein Eimer mit mind. 5Liter Fassungsvermögen (besser mehr) zu halten.

An der Luft hat diese Krabbenart genauso wenig verloren, wie es ein Fisch hat. Sie ist kaum imstande richtig an der Luft zu laufen und erstickt sehr schnell.
Diejenigen, die vielleicht mal auf einem Boot mitfahren, um bei einem Fischer solche Tiere, welche als Beifang dabei sein können, zu erhalten, müssen somit gerüstet sein und einen vorbereiteten Wasserbehälter dabei haben.

Wenn man für genügend Sauerstoff, eine ausreichend hohe Salzdichte und viel Sand zum eingraben sorgt, kann man diese Art meines Erachtens nach leicht halten.
Wie gesagt halte ich meine Krabbe seit über einem halben Jahr. Ich habe ihr übrigens hellen Sand angeboten, dem sie sich, wie man auf den o.a. Bildern sehen kann, farblich schön angepasst hat. Ansonsten sind die Tiere auch oft dunkler. Vergleiche hierzu das YouTube Video, die in der rosa Wanne ein adultes Männchen zeigt, welches die Farbe des Sandes aus ihrem ursprünglichen Lebensraum hat.
Das Tier wurde im Übrigen wieder freigelassen, da es zu groß war, um einen effektiven und zuverlässigen Transport zu gewährleisten, ohne das Leben zu gefährden!

Für sämtliche Fragen, rund um das Thema Schwimmkrabben bin ich gerne offen.

Hier noch zwei weitere YouTube Videolinks:

1. Meine Liocarcinus depurator, die ich nun zu Hause pflege. Hier war das Tier noch kleiner. Aufgenommen ebenfalls in Kroatien, kurz nach dem Fang bei mir am Haus. Man beachte den farblichen Unterschied.
www.youtube.com

2. Eine noch sehr junge Liocarcinus depurator, zusammen mit einer ebenfalls sehr jungen Carcinus maenas Strandkrabbe (rechts im Bild). Ich machte das Video um den Unterschied zu zeigen. Nicht professionell, einfach mehr rein was für's Auge. Beide Tiere wurden wieder freigelassen.
www.youtube.com

Viele Grüße
Hans Peter / Scooby

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